Nur bei einem Eichhörnchen im Botanischen Garten bin ich mir sicher, dass ich es schon mehrmals getroffen habe. Weil wir zwei uns länger als üblich beobachtet haben, habe ich ihm einen Namen gegeben: Fritzi. Ein kleines und besonders neugieriges Hörnchen. Er fiel mir sofort auf, weil er viel dunkleres Fell hat als die meisten hier. Es ist ziemlich struppig und hat einige kahle Stellen.

Wir trafen uns auf der Nusswiese, wo die Hörnchen scheinbar vor allem Bitternüsse vergraben haben, die sie nun suchen und ausbuddeln. Die müssen besonders schwer zu knacken sein, denn alle kauen ewig darauf herum. Diese kleine Ewigkeit habe ich in der Nähe des Hörnchens verbracht, das auf einem Ast saß. Es hat mich die ganze Zeit von der Seite aus beobachtet. Als er endlich fertig war – wohl aber immer noch hungrig –, holte ich ein paar Walnusskerne aus der Tasche und zeigte sie ihm. Das erweckte großes Interesse.

Ein Stückchen Nuss, das ich ihm zuwarf, holte er sich recht schnell. Dann blieb ich hocken und hielt ihm einen weiteren Kern hin. Uh! Hin und her, wieder halb auf einen Baum, dann einmal um mich herum, wieder auf einen Baum und von der Seite herablugen. Schließlich fasste er sich ein Herz und traute sich. Und dann nochmal. Und nochmal. Bis mehrere Krähen es nicht mehr aushielten, uns nur zu beobachten. Sie fingen an, das Hörnchen zu attackieren, um ihm die Nuss abzujagen. Das wollte ich natürlich nicht verursacht haben und bin schließlich weitergegangen.

Zufällig trafen wir uns bei meinem nächsten Besuch wieder. Und Fritzi hatte ebensolchen Hunger. Hach!

Mittlerweile kann ich ganz gut erkennen, welche Eichhörnchen sich interessieren und welche nicht. Einige beachten die Menschen kaum und machen ihr Ding. Sie kommen gar nicht auf die Idee, anzuhalten und zu schauen, was man macht. Andere schauen interessiert von ihren Ästen herunter. Bleibt man stehen, schieben sie die Nase in den Wind und beobachten. Hat der Mensch diesen Test bestanden, klettert das Hörnchen bei größerem Interesse – äh: Hunger – vom Baum, stellt sich auf die Hinterpfötchen, legt die Vorderpfötchen vor die Brust und wartet ab. Wirft man ihnen dann eine Nuss zu, tun sie so, als hätten sie das gar nicht mitbekommen: buddeln hier, schnüffeln da, um dann ganz zufällig doch an der Nuss anzukommen. Je nach Gemüt bleibt man gleich sitzen – oder man verschwindet mit der Beute auf einem Ast.